Einführung zu Gadamer (UTB für Wissenschaft 2139) by Jean Grondin

By Jean Grondin

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Retinale Gefäßerkrankungen

In dem Band stellen namhafte Autoren erstmals alle Gefäßerkrankungen der Retina komplett und praxisnah dar. In einem einleitenden Teil werden aktuelle Methoden der Netzhaut-Diagnostik und -Therapie behandelt. Im umfangreichen klinischen Teil beschreiben die Autoren systematisch alle relevanten Erkrankungen und erklären deren Pathogenese.

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Im Grunde ist das nicht falsch. Denn man hat immer schon gewußt, daß die Bildung, der sensus communis, die Urteilskraft oder der Geschmack keine Sache der Erkenntnis im engeren, epistemologischen oder theoretischen Sinne ist. Ist das aber ein Grund, diesen Sinn aus dem Reich der Erkenntnis auszugliedern oder, schlimmer vielleicht, ihm eine rein ästhetische oder kosmetische Funktion zuzuerkennen? In den Augen Gadamers bedeutet dies einen enormen Verlust, weil man dadurch die humanistischen Leitbegriffe aus der Hand gibt, mit deren Hilfe die Geisteswissenschaften ihren eigenen Erkenntnisanspruch hätten fassen und legitimieren können.

Das ist ein weiteres Zeichen, daß der Humanismus fUr ihn noch lebendig war; seine Leitbegriffe erhalten bei ihm aber eine unerhörte DimenSIOn. Das Ästhetische (Kant denkt dabei in erster Linie an das ästhetische Urteil) gehörte damals wie selbstverständlich zum Bereich der Kritik des Geschmacks, von dem wir gesehen haben, daß er eine moralische wie eine politische Relevanz einschließt. Die Kantische Reduktion war hier so erfolgreich, daß wir kaum noch von Geschmack in diesen Domänen sprechen. Etwas davon erhält sich jedoch, wenn wir negativ von 46 1.

Im Unterschied zu den naturwissenschaftlichen Erkenntnissen der objektivierbaren Außenwelt erscheint die Objektivierung fehl am Platze bei den Wahrheiten der moralischen, politischen und geschichtlichen Welt, wo wir selbst mit im Spiel sind. Was uns die Geschichte zu erkennen gibt, geht nicht in rein methodischem Wissen auf. Es ist mehr, es ist nach ihrem klassischen Selbstverständnis als memoria und magister vitae eine Art Lebensweisheit und -erinnerung. Soll das wirklich nur ein Wissens hindernis sein?

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