Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins. Roman by Milan Kundera

By Milan Kundera

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Retinale Gefäßerkrankungen

In dem Band stellen namhafte Autoren erstmals alle Gefäßerkrankungen der Retina komplett und praxisnah dar. In einem einleitenden Teil werden aktuelle Methoden der Netzhaut-Diagnostik und -Therapie behandelt. Im umfangreichen klinischen Teil beschreiben die Autoren systematisch alle relevanten Erkrankungen und erklären deren Pathogenese.

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Er wußte, daß sein Verhalten dem Direktor der Klinik unverantwortlich und unverzeihlich vorkommen mußte. Er hatte das Bedürfnis, sich ihm anzuvertrauen und ihm von Teresa und dem Brief zu erzählen, den sie ihm auf den Tisch gelegt hatte. Doch er tat es nicht. Einem Schweizer Arzt mußte Teresas Handeln hysterisch und unsympathisch erscheinen. Und Tomas wollte nicht zulassen, daß jemand schlecht über sie dachte. Der Direktor war tatsächlich betroffen. Tomas zuckte die Schultern und sagte: »Es muß sein.

Der Umzug der nackten Frauen um das Schwimmbecken, die Toten im Leichenwagen, die sich freuten, daß Teresa so tot war wie sie, das war jenes >Unten<, das sie entsetzte und vor dem sie schon einmal geflüchtet war, von dem sie aber geheimnisvoll angezogen wurde. Das war ihr Schwindelgefühl: sie vernahm einen süßen (fast fröhlichen) Ruf zum Verzicht auf Schicksal und Seele. Sie vernahm einen Ruf zur Solidarität mit den Seelenlosen, und in Momenten der Schwäche wollte sie diesem Ruf Folge leisten und zur Mutter zurückkehren.

Einmal rief die Mutter sie an. Sie habe Krebs. Ihr Leben werde nur noch ein paar Monate dauern. Diese Nachricht verwandelte Teresas Verzweiflung über Tomas' Untreue in Auflehnung. Sie warf sich vor, die Mutter wegen eines Mannes, der sie nicht liebte, verraten zu haben. Sie war bereit, alles zu vergessen, womit die Mutter sie gequält hatte. Sie war sogar in der Lage, sie zu verstehen. Sie waren beide in derselben Situation: die Mutter liebte den Stiefvater, wie Teresa Tomas liebte, und der Stiefvater quälte die Mutter mit seinen Seitensprüngen genau so, wie Tomas Teresa quälte.

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